Das ist die Story von einem Messer-Prototypen, von dem ich dachte, die extravagante Kombination zweier Kulturen und Kontinente passe vielleicht nicht zusammen. Auf der „kulturellen Landpartie“ im Wendland 2026 habe ich das Messer mitgenommen, um meine Ausstellung etwas aufzupeppen. Und dann wurde es zum Bestseller 🤩.
In diesem Beitrag liest du die Entstehungsgeschichte und die Hintergründe dieses einzigartigen Messers, deas vom exotischen Mauerblümchen zum strahlenden Stern meines Sortiments wurde.
Steineichen auf Sardinien
Stell dir vor, du bist in einem Bed&Breakfast in einem Dorf auf Sardinien im Hügelland des Südwestens. Es ist ein kühler Herbstabend in den der „Marmilla“, einer Region zwischen zwei Tafelbergen. Du sitzt nach gutem Essen und hervorragendem Wein aus der Region mit Freunden am Tisch. Das Feuer im offenen Kamin der Küche ist heruntergebrannt und du greifst in den Brennholzstapel, um Holz nachzulegen. Dabei fällt dir auf, wie schwer und wunderschön das Holzscheit in deiner Hand ist. Du schaust es dir genauer an und betrachtest die Maserung. „Ist das nicht viel zu schade für das Feuer?“ geht es dir durch den Kopf. „Es ist den Versuch wert, einen Messergriff daraus zu machen.“
Wenn du dir das vorstellen kannst, dann weißt du, wie es mir vor einigen Jahren ging. Ich nahm damals das Holzstück, sägte es auf und war von der Struktur und Maserung begeistert – und erst recht von der Festigkeit und Härte. Ich hatte einen Schatz im Brennholz entdeckt und wollte den Versuch machen. Vielleicht lässt sich das Holz für meine Messer verwenden. Die Steineiche verdient ihren Namen völlig zurecht und ist seit dem eines meiner liebsten Hölzer für Messergriffe geworden.
Faszinierende Maserung, extrem hart – und Holzwürmer
Nicht jedes Stück aus dem Brennholzstapel ist geeignet, um es für den Messerbau zu nutzen. Einige Scheite sind gesplittert oder haben lange Risse, andere sind langweilig von der Maserung. Wirklich ägerlich sind die Holzwürmer, deren Spuren trotz großer Sorgfalt immer wieder wie aus dem Nichts auftauchen 😯 – auch wenn der Messergriff schon fast fertig ist.
Fächer, Streifen und Strahlen
Je nachdem, wie ich die Steineiche aufschneide, hat sie eine ganz unterschiedliche Maserung. Ich versuche immer neue Anmutungen zu finden, aber die fächerartige Erscheinung ist bisher mein Favorite. Sie verleiht den Messergriffen ihre Dynamik und Eleganz.
Wenn ich das Holz feingeschliffen und poliert habe, bekommt man ein erste Ahnung vom späteren Aussehen. Ein paar Tropfen Leinöl zaubern die volle Schönheit der Steineiche hervor.
Messerherstellung ist Kunsthandwerk und Fokussierung
Der Prozess der Messerherstellung ist lang und aufwändig. Von der Auswahl des passenden Holzscheites bis zum rasiermesserscharfen Schliff der Damaszenerklinge sind viele Schritte notwendig. Jeder einzelne muss erst wohlüberlegt vorbereitet und dann mit Präzision ausgeführt werden. Ungenauigkeiten, schräge Kanten, kleine Kratzer oder Vertiefungen im Metall oder Holz sind nur mit langer und mühseliger Feinarbeit wieder auszugleichen – wenn überhaupt. Der Fokus und die Konzentration beruhigen den Geist und schärfen den Verstand, nicht nur die Klinge 🔪.
Manchmal wird ein Messer trotz aller Konzentration nicht so, wie ich es mir wünsche oder wie es meinem Qualitätsanspruch wentspricht. Dann landet ein Messer mit Fehlern oder Ungenauigkeiten in meiner Küchenschublade. In den meisten Fällen fertige noch eine Schutzhülle aus Leder oder Holzbox zum Verschenken an. Das alles braucht Zeit und Hingabe.
Schritt für Schritt zum fertigen Messer
Die Bildergalerie zeigt einie Ausschnitte aus der Fertigung eines Küchenmessers mit Damszenerklinge und Holzgriff aus sardischer Steineiche.
Der erste Schritt ist die Auswahl eines geeigneten Holzscheites. Danach folgt der grobe Zuschnitt. Ich zeichne die exakte Form des Griffteiles an und schneide es mit einer Präzisionssäge zu. Danach schräge ich die Kanten an, bringe das Griffstück in seine endgültige Form und schleife die Flächen mit feiner Körnung glatt.
Mit Laubsäge und Feile forme ich die Deckplatte aus Messing und den Schlitz für die Aufnahme der Klinge. Das Endstück der Damaszenerklinge befestige ich mit einem geschlitzten Rundstab in der Bohrung des Holzgriffs und schließe die Verbindung zur Klinge mit der Messingplatte ab. Wenn alle Teile vorgefertigt sind, füge ich sie zusammen und probiere, ob die Verbindungen perfekt passen und alles gerade ausgerichtet ist. Danach wird die Damaszenerklinge, die aus 67-lagig geschmiedetem Stahl besteht, mit Eisen-3-Chlorid behandelt. Auf diese Weise kommt das typische Damastmuster zur Geltung.
Alle Einzelteile sind jetzt vorbereitet und verleime Klinge, Messingplatte, Rundholz und Holzgriff mit Epoxid-Kleber. Wenn der Klebstoff übernacht komplett ausgehärtet ist, beginnt die Feinarbeit. Alle Flächen werden fein geschliffen, das Messing poliert und das Holz der Steineiche mit Leinöl versiegelt. Wenn das Leinöl komplett getrocknet ist, behandle ich das Griffstück mit mehreren Schichten Schellack. Das sorgt für eine gewisse Beständigkeit gegen Feuchtigkeit. Mit den letzten Handgriffen schärfe ich die Klinge und fertige eine Lederhülle zum Schutz des Damaszener-Messers an.
Das Messer ist fertig – naja, fertig ist eigentlich nie. Es gibt immer noch etwas zu Polieren, zu Schärfen oder mit Öl gegen Feuchtigkeit zu schützen. Ich teste jedes Messer ausgiebig und die schönsten fotografiere ich und füge sie in diesen Blogpost ein.
Wichtiger Hinweis: Ich behandle jeden Messergriff mit mehreren Schichten aus gekochtem Leinöl und versiegele die Holzstruktur. Das Öl braucht ein paar Tage, um komplett zu trocknen. Im Anschluss überziehe ich das Griffstücvk mit bis zu 7 Schichten aus natürlichem Schellack. Dieser ist lebensmittelecht und schützt das Holz gegen Feuchtigkeit. Trotzdem kann Nässe dem Messergriff schaden. Holz ist ein Naturstoff und trotz aller Versiegelungen kann Feuchtigkeit eindringen, wenn es im Wasser liegt. Der Griff wird dadurch unansehnlich und quillt immer weiter auf, denn er in Berührung mit Wasser kommt. Der Tod eines jeden handgefertigen Messers ist die Spülmaschine.
Mosaikpins, Buntmetalle, Silber, Halbedelsteine und Imitate verleihen Deinem Messer Ausdruck
Eine Damaszenerklinge besteht nicht aus einem einzigen Stück Stahl. Sie wird aus vielen dünnen Stahllagen aufgebaut, die miteinander verbunden und anschließend geschmiedet werden.
Bei dieser Klinge sind insgesamt 67 Lagen miteinander kombiniert: Auf jeder Seite befinden sich 32 Lagen Damaszenerstahl. Direkt daneben liegt jeweils eine Übergangslage aus SUS430 beziehungsweise SUS431. In der Mitte befindet sich der AUS10-Kernstahl, aus dem die eigentliche Schneide besteht.
Beim Schmieden werden die verschiedenen Stahllagen unter Hitze und Druck dauerhaft miteinander verbunden und verformt. Anschließend wird die Klinge geschliffen und poliert. Dabei werden die einzelnen Lagen an der Oberfläche sichtbar. Durch das anschließende Ätzen reagieren die unterschiedlichen Stähle verschieden stark – dadurch entsteht das charakteristische, einzigartige Damastmuster.
So verbindet die Klinge einen harten, schnitthaltigen AUS10-Kern mit einem dekorativen und stabilisierenden Lagenaufbau.
Ein Messer mit Charakter – von Hand gefertigt
Dieses Damaszenermesser entsteht nicht in einer Serienproduktion, sondern Stück für Stück in sorgfältiger Handarbeit. Mit viel Begeisterung, Geduld und einem hohen Anspruch an Form und Qualität fertige ich jedes Messer individuell auf Bestellung.
Die 67-lagige Damaszenerklinge mit ihrem charakteristischen Muster trifft auf einen Griff aus einzigartiger sardischer Steineiche. Jedes Stück Holz besitzt eine eigene Maserung – und macht damit auch jedes Messer zu einem Unikat. Viele Arbeitsschritte vom Zuschnitt über das Schleifen und Polieren bis zum finalen Schärfen werden von Hand ausgeführt.
Das Ergebnis ist ein persönliches Küchenmesser, das Funktionalität, natürliche Materialien und traditionelle Handwerkskunst miteinander verbindet.
Preis: 189,00 € inklusive Lederhülle. Auf Wunsch kann die Hülle mit einer persönlichen Gravur versehen werden. Hinzu kommen 8,90 € für Verpackung und Versand.
Da jedes Messer individuell angefertigt wird, beträgt die Fertigungszeit etwa 3 Wochen.
Ein Messer für Menschen, die das Besondere schätzen – und Freude daran haben, etwas Einzigartiges in den Händen zu halten.